Der Babadook

Kaum ein Horrorfilm der letzten Jahre wurde so intensiv diskutiert wie „Der Babadook„. Jennifer Kent verlagert die Angst ins Alltägliche, ohne den klassischen Regeln des Genres zu folgen. Ihr Film spielt nicht mit bekannten Schreckmomenten, sondern mit innerer Unruhe. Statt lauter Effekte stehen psychische Spannungen im Mittelpunkt. Das lässt sich auch als Ausdruck eines neuen Umgangs mit Trauer, Erschöpfung und Kontrollverlust lesen – Themen, die in „Der Babadook“ eine konkrete Gestalt bekommen. Dabei bleibt offen, ob die Bedrohung von außen kommt oder längst Teil des Inneren ist.

Der Babadook [dt./OV]
  • Amazon Prime Video (Video-on-Demand)
  • Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney (Schauspieler)
  • Jennifer Kent(Regisseur) - Jennifer Kent(Autor) - Kristina Ceyton(Produzent)
  • Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 16 Jahren

Im Zentrum steht eine Mutter, die allein mit der Erziehung ihres Sohnes überfordert scheint. Ein rätselhaftes Buch bringt eine albtraumhafte Figur in ihr Leben, die sich nicht mehr vertreiben lässt. Zwischen Schlafmangel, Aggression und Hilflosigkeit verliert sie zunehmend den Halt. Ihr Sohn reagiert mit Misstrauen, Erfindungsgeist und Angst. Doch was passiert, wenn das Unaussprechliche plötzlich eine Stimme bekommt?

Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte

Der Horrorfilm „Der Babadook“ erschien 2014 unter der Regie von Jennifer Kent. Die Produktion verantworteten Kristina Ceyton und Kristian Molière. Für die Musik zeichnete Jed Kurzel verantwortlich, Kamera führte Radoslaw Ladczuk, den Schnitt übernahm Simon Njoo. In der Hauptrolle spielt Essie Davis die verwitwete Mutter Amelia Vanek. An ihrer Seite verkörpert Noah Wiseman den Sohn Samuel Vanek. Weitere Rollen übernahmen Daniel Henshall als Robbie, Hayley McElhinney als Claire, Barbara West als Mrs. Roach und Benjamin Winspear als Oskar. Das Drehbuch stammt ebenfalls von Kent.

Gedreht wurde der Film in Adelaide, hauptsächlich in Studio-Kulissen. Die Laufzeit beträgt 94 Minuten, die FSK liegt bei 16 Jahren. Die Premiere fand beim Sundance Film Festival statt. Der Verleih in Deutschland erfolgte über Capelight Pictures. Grundlage war Kents Kurzfilm „Monster“ aus dem Jahr 2005. Das Projekt wurde teilweise durch Crowdfunding finanziert. „Der Babadook“ gewann bei den AACTA Awards unter anderem als bester Film, für die beste Regie und das beste Originaldrehbuch. Insgesamt spielte er weltweit rund 10,7 Millionen US-Dollar ein – bei einem Budget von etwa zwei Millionen.

Zusammenfassung & Story vom Film „Der Babadook“

Amelia Vanek lebt mit ihrem sechsjährigen Sohn Samuel in Adelaide. Seit dem Unfalltod ihres Mannes Oskar, der sie einst zur Entbindung fuhr, schlägt sich Amelia allein durchs Leben. Der Alltag ist belastend, denn Samuel zeigt immer häufiger auffälliges Verhalten. In der Schule stört er den Unterricht, zu Hause bastelt er Waffen gegen ein Monster, das ihn angeblich verfolgt. Als er eines Abends das unheimliche Pop-up-Buch „Mister Babadook“ mit nach Hause bringt, wird Amelia misstrauisch. Sie liest vor, doch der Inhalt des Buches wirkt verstörend. Samuel ist überzeugt, dass der Babadook existiert.

Bald häufen sich merkwürdige Vorfälle. Amelia findet Glasscherben im Essen und wird von bedrohlichen Erscheinungen heimgesucht. Sie macht Samuel verantwortlich, doch er verweist auf den Babadook. Bei einer Familienfeier stößt er seine Cousine aus dem Baumhaus. Der Streit eskaliert, die Familie wendet sich von ihnen ab. Als Amelia die Babadook-Geschichte zerstört, taucht das Buch in neuer, beunruhigender Form wieder auf. Es zeigt, wie sie ihren Sohn und den Hund tötet. Amelia brennt es sofort, doch die Angst bleibt bestehen.

Der Wendepunkt im Keller

Der psychische Druck steigt. Amelia wird zunehmend gereizt und unberechenbar. Sie halluziniert, greift zu Gewalt und wird schließlich vom Babadook besessen. Im Wahn tötet sie den Hund und will auch Samuel angreifen. Der Junge wehrt sich mit seinen selbst gebauten Fallen, bis Amelia zusammenbricht. In einem dramatischen Moment erkennt sie, dass sie die Kontrolle zurückgewinnen muss. Als sie sich der Kreatur stellt, kann sie diese schließlich vertreiben und in den Keller verbannen, den sie fortan abschließt.

Am Ende gelingt es Mutter und Sohn, wieder einen Alltag aufzubauen. Amelia zeigt sich geduldig, ermutigt Sam zu seinen Zaubertricks und unterstützt seine Fantasie. Im Garten sammeln sie gemeinsam Würmer, die Amelia regelmäßig dem Babadook bringt, der nun im Keller lebt. Obwohl das Wesen weiter existiert, bleibt es dort ruhig – solange es gefüttert wird. Samuel feiert schließlich unbeschwert seinen Geburtstag. Die Bedrohung bleibt, doch die Angst hat ihren Platz verloren.

Kritiken und Fazit zum Film „Der Babadook“

Der Babadook“ nutzt das Genre nicht als bloßes Vehikel, sondern als präzise Form. Jennifer Kent inszeniert mit einer auffallenden Klarheit, die Angst als Zustand erfahrbar macht. Ihre Regie setzt auf Rhythmus und Störung zugleich: Stille drückt, Schnitte setzen Reize, Bilder ziehen sich unheimlich lang. Radoslaw Ladczuks Kamera sucht keine Effekte, sondern misstraut jeder Sicherheit. Räume kippen, Tageslicht bleibt stumpf, Gesichter verlieren Konturen. Kent greift nie zu grellem Horror, sondern schärft durch Kontrolle. Gerade dadurch entsteht eine Spannung, die nachhaltiger wirkt als jeder Schock.

Essie Davis trägt das Zentrum des Film mit verstörender Konsequenz. Sie spielt nicht auf, sondern gräbt sich ein. Ihre Verlorenheit wirkt glaubhaft, ihre Wut erschreckend nah. In einer Szene schreit sie ins Leere, das Gesicht entstellt, der Blick verwischt – der Moment bleibt hängen. Auch Noah Wiseman überzeugt durch seine Präsenz. Der Ton vermeidet Pathos, bleibt nüchtern und kantig. Selbst der Score von Jed Kurzel wirkt reduziert, aber nervös. „Der Babadook“ funktioniert als psychologische Studie, als Genrefilm und als formales Statement, eine konsequent gestaltete Grenzerfahrung.

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