Little Women
Zwischen Konvention und Selbstbestimmung verhandelt „Little Women“ vertraute Themen in einem neuen Erzählgewand. Der Film verwebt Erinnerung, Gegenwart und Zukunft zu einem stilistisch dichten Drama, das den Fokus nicht auf historische Kulisse, sondern auf individuelle Entscheidungen legt. Gerade weil der Stoff so oft adaptiert wurde, schürt diese Version die Erwartung, etwas wirklich Eigenes beizutragen.
- Amazon Prime Video (Video-on-Demand)
- Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh (Schauspieler)
- Greta Gerwig(Regisseur) - Amy Pascal(Produzent)
- Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 12 Jahren
Jo March blickt zurück, schreibt ihre Geschichte auf und ringt gleichzeitig mit ihrer Gegenwart. Während sie mit familiären Veränderungen, Verlust und Fragen nach Unabhängigkeit umgeht, entfalten sich parallele Entwicklungen ihrer Schwestern. Liebe, Kunst und soziale Erwartungen prägen jede Figur auf eigene Weise. Wie sehr verändert der Blick auf das eigene Leben dessen Verlauf?
Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte
Der Film „Little Women“ entstand unter der Regie von Greta Gerwig und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Louisa May Alcott. Das Drehbuch schrieb ebenfalls Gerwig, während Amy Pascal, Denise Di Novi und Robin Swicord als Produzentinnen fungierten. Für die musikalische Untermalung sorgte Alexandre Desplat, die Kamera führte Yorick Le Saux, und Nick Houy verantwortete den Schnitt. Die Produktion begann im Oktober 2018 in Boston. Die aufwendige Ausstattung stammt von Jess Gonchor, das Kostümdesign von Jacqueline Durran.
In den Hauptrollen agieren Saoirse Ronan als Jo March, Emma Watson als Meg, Florence Pugh als Amy und Eliza Scanlen als Beth. Timothée Chalamet spielt Laurie Laurence, Laura Dern verkörpert Marmee March, Meryl Streep erscheint als Tante March. Weitere Rollen übernahmen Bob Odenkirk (Mr. March), James Norton (John Brooke) und Tracy Letts (Mr. Dashwood). Die US-Premiere erfolgte am 25. Dezember 2019, der deutsche Kinostart war am 30. Januar 2020. Der Film erhielt sechs Oscar-Nominierungen und gewann in der Kategorie „Bestes Kostümdesign“. Mit über 216 Millionen Dollar Einspielergebnis zählt er zu den erfolgreichsten Verfilmungen des Stoffes.
Zusammenfassung & Story vom Film „Little Women“
Jo March lebt in New York und arbeitet als Lehrerin. Sie schreibt Geschichten und stößt bei einem Verleger auf erste Anerkennung. In Paris versucht ihre Schwester Amy, sich in gesellschaftlichen Kreisen zu behaupten, gerät jedoch mit Laurie aneinander, dessen Verhalten sie verletzt. Währenddessen erhält Jo kritisches Feedback von Professor Bhaer, das sie zunächst trifft. Als sie erfährt, dass ihre Schwester Beth schwer erkrankt ist, kehrt sie zurück nach Concord. Dort holen sie Erinnerungen ein, die die enge Verbindung der vier Schwestern zeigen und prägende Momente ihrer Kindheit erneut lebendig machen.
Rückblenden führen zu einem gemeinsamen Theaterbesuch, bei dem Amy aus Eifersucht Jos Manuskript zerstört. Am nächsten Tag bricht Amy beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein, wird aber rechtzeitig gerettet. Mr. Laurence entdeckt Beths musikalisches Talent und schenkt ihr das Klavier seiner verstorbenen Tochter. Die Familie erfährt von der Erkrankung Beths mit Scharlach, woraufhin Amy zur Sicherheit zu Tante March zieht. Meg gerät in einen Gewissenskonflikt zwischen Wunsch und Realität, erkennt jedoch, dass sie in ihrer Ehe mit John trotz materieller Einschränkungen zufrieden ist.
Der Roman wird Realität
In der Gegenwart verstirbt Beth schließlich nach längerer Krankheit. Jo versucht vergeblich, Meg von der Ehe mit John abzubringen. Amy reist mit Tante March nach Europa, wo sie Laurie wiedertrifft. Er macht ihr einen Antrag, doch sie lehnt ab, da sie sich lange im Schatten ihrer Schwester fühlte. Als sie erkennt, dass Laurie aufrichtig liebt, nimmt sie ihn doch noch zum Ehemann. Jo wiederum zweifelt an ihrer Entscheidung, Laurie’s Antrag abgelehnt zu haben, lässt den Gedanken aber schließlich los und konzentriert sich auf ihre schriftstellerischen Pläne.
Jo schreibt nun ihre Familiengeschichte auf und reicht das Manuskript bei Mr. Dashwood ein. Zunächst zögert er, doch durch die Begeisterung seiner Töchter lässt er sich zur Veröffentlichung bewegen – unter der Bedingung, dass die Heldin heiratet. Jo ändert das Ende und schafft damit eine literarische Lösung, die beides vereint: kreative Kontrolle und Publikation. Sie verhandelt erfolgreich ihre Rechte. Nach dem Tod von Tante March übernimmt Jo deren Haus und gründet dort eine Schule, die sie mit Amy, Meg und Professor Bhaer führt. Ihr Buch erscheint schließlich unter dem Titel „Little Women“.
Kritiken und Fazit zum Film „Little Women“
„Little Women“ zeigt, wie Greta Gerwig klassische Stoffe frisch und fein abgestimmt ins Kino bringt. Sie strukturiert den Film nicht linear, sondern bewegt sich elegant zwischen Zeitebenen, was dem Rhythmus eine federnde Spannung verleiht und dem Drama Tiefe verleiht. Die Kamera von Yorick Le Saux bleibt oft dicht an den Figuren, so dass die Emotionen im Blickfeld lebendig und unmittelbar wirken. Kostüme, Szenenbild und Musik tragen dazu bei, dass jede Einstellung klar und atmosphärisch geformt wirkt. Saoirse Ronan entfaltet als Jo eine Präsenz, die unabhängig, impulsiv und dennoch verletzlich zugleich erscheint. Florence Pugh erreicht in der Rolle der Amy eine Vielschichtigkeit, die in vielen früheren Adaptionen fehlte. Emma Watson und Eliza Scanlen ergänzen das Ensemble mit nüchternem Feingefühl und sensibler Präsenz.
In einzelnen Szenen wird diese Qualität besonders sichtbar. Wenn Jo und Laurie in einem intensiven Gespräch stehen, lässt Gerwig den Raum atmen und die Emotionen wirken, statt sie aufzudrängen. Die Kamera nähert sich den Protagonistinnen bei intimen Momenten mit Ruhe, was dem Publikum erlaubt, still in die Situation einzutreten. Die Inszenierung hält einen spürbaren Takt zwischen Ruhe und Dynamik, der den Figuren Raum zur Entwicklung gibt. Zugleich nimmt der Film historische Beschränkungen ernst, ohne sie in schwere Botschaften zu verwandeln. Dadurch entsteht ein Bild von Frauen, das sowohl in seiner Zeit verwurzelt ist als auch heute noch anschlussfähig bleibt. Für Zuschauer, die Wert auf Ensemblearbeit, gestalterische Raffinesse und emotionale Klarheit legen, funktioniert „Little Women“ sehr gut.