Nightborn
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Ein britisches Paar zieht in die finnischen Wälder, um dort endlich die eigene Familie zu gründen, und am Ende steht eine Mutter, die sich für immer von der menschlichen Welt abwendet. Saga und ihr Ehemann Jon beziehen Sagas verfallenes Elternhaus, kaum ist ihr Sohn Kuura geboren, spürt Saga, dass mit ihm etwas nicht stimmt, auch wenn niemand um sie herum ihre Sorge teilt. Diese Kluft zwischen Mutter und Umgebung treibt die gesamte Handlung an.
Jon hält die Ängste seiner Frau zunächst für die Folge einer schweren Geburt und lässt Kuura mehrfach ärztlich untersuchen, ohne einen Befund zu finden. Saga entdeckt unterdessen erste Hinweise auf Kuuras wahre Herkunft und beginnt, sich heimlich anders um ihn zu kümmern, als es die Gesellschaft von einer Mutter erwartet. Der Konflikt zwischen den Eltern eskaliert schließlich in einer einzigen Nacht.
Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte
Regie führte Hanna Bergholm, die sich bereits mit dem finnischen Horrorfilm „Hatching“ international einen Namen gemacht hat. Das Drehbuch entstand gemeinsam mit Ilja Rautsi, die Musik komponierte Eicca Toppinen. Seidi Haarla übernimmt die Hauptrolle der Saga, an ihrer Seite spielt Rupert Grint ihren Ehemann Jon. Weitere Rollen übernehmen Pamela Tola als Sagas Schwester Taru sowie Pirkko Saisio als ihre Mutter, dazu Rebecca Lacey und John Thomson. Die 92 Minuten lange Produktion erhielt in Deutschland die FSK-16-Freigabe, Pietari Peltola führte die Kamera, Jussi Rautaniemi übernahm den Schnitt. Gedreht wurde vollständig in Litauen, dessen Wälder als Double für die finnische Landschaft dienten.
Die Weltpremiere fand im Wettbewerb der Berlinale 2026 statt, fünf Monate später folgte der Cheval Noir für den besten Film beim Fantasia International Film Festival in Montreal, wo auch Hauptdarstellerin Seidi Haarla als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde. Auf Rotten Tomatoes fallen aktuell 73 Prozent der Kritiken positiv aus. In Deutschland startet der Film am 6. August 2026 im Verleih von Alamode Film, in den USA läuft er bereits seit dem 31. Juli 2026 beim Streaminganbieter Shudder.
Zusammenfassung & Story vom Film „Nightborn“
Nach dem Einzug in Sagas verfallenes Elternhaus lieben sich Saga und Jon im nahegelegenen Wald, eine Szene, die der Film mit ungewöhnlich lebendiger Natur unterlegt. Wenig später bringt Saga nach einer schweren Geburt einen Sohn zur Welt, den sie spontan Kuura nennt, finnisch für Raureif. Von Anfang an fällt der Junge durch ungewöhnliche Merkmale auf, übermäßige Körperbehaarung, Lichtempfindlichkeit und eine Abneigung gegen Muttermilch.
Saga bemerkt schnell, dass Kuura beim Stillen eher beißt als trinkt, und beginnt, von ihrem Sohn nur noch als „es“ zu sprechen. Als ihre Mutter zu Besuch kommt, verletzt Kuura sie am Ohr, was Saga zusätzlich verunsichert. Jon lässt seinen Sohn daraufhin mehrfach ärztlich untersuchen, findet aber jedes Mal nur einen gesunden Säugling und führt Sagas Sorgen auf die anstrengende Geburt zurück.
Der Verdacht wächst
Der Verdacht erhärtet sich, als Kuuras Haut an einem Eisenstab zu brennen beginnt. Saga erinnert sich, dass ihre verstorbene Großmutter das Grundstück einst mit Eisen und Metallkabeln umzäunt hatte, angeblich um Trolle abzuhalten, und beginnt, ihren Sohn heimlich mit Tierblut statt Milch zu füttern. Als ihre Schwester Taru zu Besuch kommt, beißt Kuura deren Tochter in den Finger, was die Stimmung zwischen den Familien weiter verschärft.
Als Jon entdeckt, dass Saga ihrem Sohn heimlich Blut gegeben hat, eskaliert der Streit zwischen den Eheleuten endgültig. Er wirft ihr vor, unfähig zu lieben zu sein, und kündigt an, die Scheidung einzureichen sowie das alleinige Sorgerecht für Kuura zu beantragen. Kuura reißt sich während des folgenden Kampfes los, hebt die Arme, lässt massive Baumwurzeln durch den Boden brechen und tötet Jon mit einem durchbohrenden Ast. Saga schneidet daraufhin Jons Herz heraus und teilt es mit ihrem Sohn.
In der letzten Szene öffnet Saga die Haustür und lässt Kuura frei in Richtung Wald laufen, wo erstmals die Trolle sichtbar werden, mit denen die Familie offenbar seit Generationen verbunden ist. Kurz bevor er sie erreicht, dreht sich Kuura noch einmal um, lächelt seine Mutter an und entscheidet sich, bei ihr zu bleiben.
Kritiken und Fazit zum Film „Nightborn“
Die Reaktionen bei der Premiere auf der Berlinale fielen gemischt bis leicht positiv aus, einige Beobachter beschrieben den Film zunächst als schwächeren Beitrag des Wettbewerbs. Fünf Monate später, beim genrefreundlicheren Fantasia Festival, drehte sich die Wahrnehmung deutlich, was sich auch im Gewinn des Hauptpreises niederschlug. Deutsche Kritiker wie Christoph Petersen von Filmstarts vergeben vier von fünf Sternen, ein merklich positiveres Urteil als beim Festivalstart.
Regisseurin Hanna Bergholm knüpft thematisch an ihren Erfolg „Hatching“ an und nutzt erneut Körperhorror als Metapher für die Schattenseiten der Mutterschaft. Hauptdarstellerin Seidi Haarla liefert die tragende Leistung des Films ab, ihre Darstellung einer Mutter zwischen Zweifel, Erschöpfung und wachsender Entfremdung wurde beim Fantasia Festival eigens ausgezeichnet. Rupert Grint überzeugt als zunehmend überforderter Ehemann, der die Wahrheit über seinen Sohn bis zuletzt nicht wahrhaben will.
Kritisiert wird vor allem, dass der Film seine Andeutungen streckenweise zu deutlich erklärt, wodurch etwas von der anfänglichen Beunruhigung verloren geht. Auch die tonale Balance zwischen Arthouse-Drama und klassischem Genre-Horror überzeugt nicht jeden Zuschauer. Wer sich auf die finnische Folklore einlässt, bekommt einen der eigenwilligeren Horrorfilme des Jahres, der noch lange nachwirkt.