Spider-Man: Brand New Day
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Kein Marvel-Trailer der letzten Jahre wurde so oft angeklickt wie dieser. Über 700 Millionen Aufrufe sammelte die erste Vorschau zu Spider-Man: Brand New Day allein in den ersten 24 Stunden. Am Mittwoch, den 29. Juli 2026, zwei Tage vor dem US-Start, ist es dann so weit, Spider-Man: Brand New Day, im englischsprachigen Raum meist einfach Spider Man 4 genannt, kommt in die deutschen Kinos. Der Hype trifft vor allem ein jüngeres Publikum. Branchenbeobachter rechnen mit besonders starkem Zuspruch aus der Generation Z.
Doch die eigentliche Frage bleibt offen. Kann Tom Holland als Spider-Man tatsächlich bei null anfangen, ohne dass Marvel dafür die ganze Marke neu aufzieht? Eine Kritik ist das an dieser Stelle bewusst noch nicht, dafür läuft der Film schlicht noch nicht. Dieser Text ordnet ein, was Cast, Marketing und bisherige Berichte über den Film verraten, veröffentlicht fünf Tage vor dem deutschen Kinostart.
Wo Peter Parker nach No Way Home steht
Vier Jahre sind seit dem Ende von No Way Home vergangen. Peter Parker hat sich damals bewusst aus den Erinnerungen aller Menschen löschen lassen, die er liebt, MJ und Ned eingeschlossen, um sie vor den Konsequenzen seines Doppellebens zu schützen. In Brand New Day lebt er allein, ohne Identität, ohne eine Vergangenheit, die irgendjemand außer ihm noch kennt. Er patrouilliert Vollzeit als Spider-Man durch ein New York, das seinen Namen nicht mehr kennt, während er zusehen muss, wie MJ und Ned ihr Leben ohne ihn weiterführen.
Dieser Druck löst laut offizieller Synopsis eine körperliche Veränderung in Peter aus, die er möglicherweise nicht mehr kontrollieren kann. Im Hintergrund operiert zudem die kriminelle Organisation „The Hand“, die im Verlauf des Films auf Peters Weg tritt und für einen Großteil der neuen Bedrohungslage verantwortlich sein soll.
Vom Multiversum zurück auf die Straßen von New York
No Way Home lebte von drei Spider-Man-Darstellern gleichzeitig auf der Leinwand, von zurückkehrenden Bösewichten aus zwei Jahrzehnten Filmgeschichte und vom schieren Ausmaß des Multiversums. Das Rezept spielte dem Film 2021 weltweit 1,91 Milliarden Dollar ein.
Brand New Day schlägt fünf Jahre später bewusst die Gegenrichtung ein. Statt weitere Universen zu öffnen, konzentriert sich der Film auf eine einzelne Stadt, einen einzelnen Helden und ein kleines, verbrecherisches Machtgeflecht rund um die Organisation „The Hand“. Die Rückkehr zum bodenständigen, straßennahen Spider-Man ist damit auch eine Antwort auf ein Publikum, das an der wachsenden Multiversum-Müdigkeit der letzten MCU-Phasen zu knabbern hat, spürbar etwa an den enttäuschenden Zahlen von Captain America: Brave New World und Thunderbolts im Vorjahr.
Der Regiewechsel zu Destin Daniel Cretton
Erstmals in der Holland-Ära führt nicht Jon Watts Regie, sondern Destin Daniel Cretton, der sich mit Filmen wie Short Term 12 und Just Mercy zunächst als Erzähler kleiner, emotional dichter Dramen einen Namen gemacht hat, bevor er mit Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings ins MCU wechselte und dort für choreografierte Nahkampfszenen gelobt wurde. Am Drehbuch saßen erneut die Stammautoren Chris McKenna und Erik Sommers, ergänzt um Justin Kuritzkes, der zuvor für Challengers verantwortlich zeichnete. Cretton bringt einen deutlich intimeren Blick auf Peters Einsamkeit mit, der sich von den größeren, ereignisgetriebenen bisherigen Spider-Man-Filmen unterscheiden soll.
Gedreht wurde ein Großteil praktisch vor Ort in Glasgow, das die Straßen von New York doubelte, statt fast ausschließlich vor dem Green Screen. Die Entscheidung erzwang eine einwöchige Pause während der Dreharbeiten, nachdem sich Tom Holland bei einem Stunt eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte.
Der Punisher, der Hulk und der neue Cast von Spider-Man: Brand New Day
Zum Cast von Spider-Man: Brand New Day gehören neben Tom Holland, Zendaya als MJ und Jacob Batalon als Ned auch zwei prominente MCU-Neuzugänge. Jon Bernthal gibt als Frank Castle alias Punisher sein Leinwanddebüt im MCU und wird zu einer Art ungewolltem Verbündeten für Peter, dessen kompromisslose Methoden im Trailer bereits für Reibung sorgen. Mark Ruffalo kehrt als Bruce Banner beziehungsweise Hulk zurück und übernimmt eine beratende, mitunter handfeste Rolle.
Auf der Gegenseite stehen Michael Mando als Scorpion, der als wahrscheinlicher Hauptantagonist gilt, sowie Marvin Jones III als Verbrecherboss Tombstone. Britische Kinomagazine zählen mittlerweile bis zu fünf potenzielle Bösewichte im Film. Tramell Tillman und Liza Colón-Zayas spielen weitere, bislang nicht enthüllte Figuren.
Am meisten Rätsel gibt bis heute Sadie Sink auf, deren Rolle Marvel bis kurz vor Kinostart nicht offiziell bestätigt hat. Mehrere unabhängige Branchenquellen ordnen sie inzwischen als die X-Men-Mutantin Jean Grey ein, auch wenn das Studio dazu weiterhin schweigt.
Warum der Film ein Neustart ohne Reboot ist
Der Titel ist keine reine Marketingfloskel, sondern ein direkter Verweis auf die Comic-Geschichte „Brand New Day“ aus The Amazing Spider-Man #546 von 2007. Damals ließ Peter Parker seine Ehe mit MJ durch einen Pakt mit dem Dämon Mephisto aus der Kontinuität verschwinden, ganz ohne Reboot der Serie. Der Film greift denselben Mechanismus auf, nur dass hier ein Zauberspruch aus No Way Home die Erinnerung der Welt an Peter Parker gelöscht hat statt eines Teufelspakts.
Peter bekommt dadurch eine neue Ausgangslage, ohne dass Holland, Zendaya oder die Continuity ausgetauscht werden müssen, was Spider-Man: Brand New Day von klassischen Franchise-Neustarts wie dem Garfield-Reboot 2012 unterscheidet. Als 38. Film des MCU und fünfter Beitrag zu Phase Six soll er laut Produzentin Amy Pascal zudem den Auftakt einer komplett neuen Trilogie für Peter Parker bilden, bevor die laufende Multiverse Saga mit Avengers: Doomsday und Avengers: Secret Wars endet.
Die größten Chancen und Risiken vor dem Kinostart
Die Zahlen vor dem Start können sich sehen lassen. Frühe Prognosen im Juni gingen noch von 180 bis 190 Millionen Dollar am US-Startwochenende aus, inzwischen taxieren Analysten von Box Office Pro und Deadline dieselbe Zahl auf 230 bis 250 Millionen Dollar, mit einzelnen Prognosen von bis zu 300 Millionen, nachdem sich die Vorverkäufe in den letzten Wochen deutlich beschleunigt hatten. Damit könnte Brand New Day nur knapp hinter den 260 Millionen Dollar von No Way Home landen, dem bislang zweitbesten Startwochenende der Franchise-Geschichte.
Ein echtes Risiko bleibt der Verzicht auf IMAX-Kinosäle, die sich Christopher Nolans The Odyssey für vier Wochen exklusiv gesichert hat, sodass Sony auf andere Premiumformate ausweichen muss. Pikant ist dabei, dass der deutsche Starttermin extra um eine Woche verschoben wurde, damit sich Brand New Day nicht direkt mit The Odyssey ins Gehege kommt, in dem ausgerechnet Tom Holland und Zendaya ebenfalls Rollen übernehmen. In der Praxis hat die FSK den Film mit einer Freigabe ab 12 Jahren eingestuft, bei einer Laufzeit von rund 150 Minuten, was in den USA einem PG-13-Rating entspricht.
Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern dürfte das Startwochenende ohnehin weitgehend kritikresistent ausfallen, echte Rezensionen und Mundpropaganda werden aber entscheiden, wie sich der Film über die folgenden Wochen hält. Die größte Chance liegt in der Abkehr vom Multiversum selbst. Wenn die geerdete, einsame Version von Spider-Man funktioniert, könnte der Film beweisen, dass dem Genre die Ideen längst nicht ausgegangen sind, es fehlt oft nur die richtige Balance zwischen Spektakel und einer Geschichte, die sich wieder um einen einzelnen Menschen dreht.