Neuordnung des Schweizer Glücksspiels zwischen Spielsaal und Serverraum

Allein eine Zahl aus dem Geschäftsbericht des Grand Casino Luzern spricht für sich: 98,4 Millionen Franken Bruttospielerträge aus dem Online-Geschäft verbucht der Luzerner Ausnahme-Casino-Betreiber auf sein Konto. Damit bezifferte das Unternehmen seinen Marktanteil im Schweizer Markt für Online-Casino-Angebote auf 32 Prozent.

Neuordnung des Schweizer Glücksspiels zwischen Spielsaal und Serverraum

Diese Zahl sagt mehr über die aktuelle Situation aus als alle politischen Debatten.

Wer das Casino am Vierwaldstättersee betritt, sieht nach wie vor Spieltische, Automaten und Angestellte. Der sichtbare Betrieb hat sich kaum verändert. Ein Grossteil der Geschäfte aber läuft nicht mehr im Spielsaal, sondern auf Servern. Und dieser digitale Betrieb ist nicht einfach nur ein Nebenhof, sondern integraler Bestandteil des Lizenzmodells.

Mit Grenzen in eine neue Lizenzperiode

Seit Januar 2025 läuft in der Schweiz die neue Lizenzperiode für Spielbanken. Der Bundesrat hatte die Bewilligungen im November 2023 vergeben, gültig bis 2044. Zwanzig Häuser erhielten eine Konzession. Wer zusätzlich online tätig sein will, braucht eine sogenannte Online-Erweiterung der Konzession und eine Online-Spielbewilligung durch die Eidgenössische Spielbankenkommission.

Erlaubt sind gemäss diesem System keine eigenständigen Online-Casinos ohne physische Basis. Jeder Online-Auftritt ist an ein landbasiertes Haus geknüpft. Damit sind Eigentumsverhältnisse, technische Infrastruktur und auch Kontrollmechanismen klar geregelt.

Mit der Schweizer Lösung unterscheidet man sich auch von vielen EU-Staaten, in denen internationale Lizenzmodelle eine ganze Anzahl von Anbietern zulassen.

Die Zahlen aus 2024 machen Verschiebung sichtbar

Im Juni 2025 publizierte die Eidgenössische Spielbankenkommission ihre Abrechnung für 2024. Aus dem landbasierten Betrieb wurden 269 Millionen Franken Abgaben an die AHV- und IV-Ausgleichskassen überwiesen. Das waren 7,1 Prozent weniger als 2023.

Gleichzeitig fielen aus dem Online-Segment Abgaben in der Höhe von 132 Millionen Franken an. Insgesamt überwiesen die Spielbanken 358 Millionen Franken an die Sozialversicherungen. Die Einnahmen gehen also nicht zurück. Sie verschieben sich nur.

Der Bruttospielertrag bildet die Grundlage für diese Abgabe. Er errechnet sich aus der Differenz zwischen Einsätzen und ausbezahlten Gewinnen. Bei Online-Angeboten liegt der Abgabesatz bei 20% und steigt mit dem Ertrag progressiv. Landbasierte Häuser haben höhere Einstiegssätze.

Das Modell bleibt fiskalisch stabil, auch wenn sich das Spielverhalten verändert.

Kontrolle findet heute im Netz statt

Die Regulierung endet nicht bei Konzessionsurkunden. Die Spielbankenkommission führt eine Sperrliste für nicht bewilligte Online-Angebote. Internetanbieter müssen diese Plattformen blockieren. Grundlage dafür ist das Geldspielgesetz, das Netzsperren ausdrücklich vorsieht und deren Veröffentlichung im Bundesblatt regelt.

Kontrolle findet heute im Netz statt

Zum 31. Dezember 2024 umfasste die Liste 2.093 gesperrte Angebote. Das entsprach einem Zuwachs von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinter dieser Zahl stehen konkrete Domains, Betreiberstrukturen und Zahlungswege, die identifiziert und technisch unterbunden wurden.

Im selben Zeitraum dokumentierte die Behörde 391 Inspektionstage sowie 132 Strafverfahren im Zusammenhang mit illegalem Geldspiel. Diese Verfahren betreffen nicht nur digitale Plattformen, sondern auch organisatorische Netzwerke, die ohne Konzession am Schweizer Markt teilnehmen wollten.

Diese Zahlen sind keine Randnotiz. Sie zeigen, dass digitale Märkte technisch durchgesetzt werden. Kontrolle bedeutet hier Zensur, Zahlungsüberwachung und behördliche Ermittlungsarbeit.

Geoblocking-Sperren können zwar leicht durch einen VPN umgangen werden, dennoch zeigen die Maßnahmen der Behörden in anderer Weise Wirkung: Parallel dazu nahm auch die Zahl der Spielsperren zu. 2024 registrierten die Behörden 18.216 neue Sperren. Rund 40 Prozent erfolgten freiwillig auf Antrag der betroffenen Personen. Seit dem 7. Januar 2025 gilt das zentrale Sperrregister zudem im Fürstentum Liechtenstein, sodass gesperrte Personen auch dort keinen Zugang zu konzessionierten Angeboten erhalten.

Vergleichbarkeit ist Teil der digitalen Logik

Die regulatorische Struktur beeinflusst auch das Verhalten der Nutzer. Konzessionierte Anbieter sind öffentlich dokumentiert. Bewilligte Plattformen lassen sich über die offizielle Liste der Spielbankenkommission nachvollziehen. Nicht zugelassene Angebote erscheinen auf der Sperrliste.

In dieser Umgebung entsteht eine neue Selbstverständlichkeit: Nutzer prüfen Angebote, bevor sie Einzahlungen tätigen. Es gehört inzwischen zum digitalen Alltag, dass Konsumenten Spielautomaten Online vergleichen, um sicherzustellen, dass sie sich innerhalb des legalen Rahmens bewegen und auf bewilligte Plattformen zugreifen.

Ein Markt ohne Wildwuchs

Die Schweiz ist kein liberaler Testmarkt mit Dutzenden internationaler Lizenzen. Der Zugang bleibt begrenzt. Wer zugelassen ist, operiert innerhalb enger Vorgaben. Wer ohne Konzession agiert, wird gesperrt. Diese Asymmetrie ist politisch gewollt.

Spielautomaten

Sie schafft Planungssicherheit für bestehende Häuser. Gleichzeitig verhindert sie eine unüberschaubare Fragmentierung des Marktes. Das Wachstum im Online-Segment vollzieht sich innerhalb desselben Rahmens, der auch für den stationären Betrieb gilt.

Das Grand Casino Luzern ist kein Sonderfall. Mehrere konzessionierte Häuser betreiben inzwischen eigene Online-Plattformen. Die Investitionen fließen in Software, Zahlungsinfrastruktur und Identitätsprüfung.

Der Spielsaal bleibt natürlich sichtbar, während die eigentliche Dynamik im Hintergrund entsteht.

Zwischen Stabilität und Veränderung

Die Entwicklung des Jahres 2024 zeigt keine radikale Umwälzung. Sie zeigt eine Anpassung.

Die Abgaben bleiben hoch. Die Durchsetzung wird intensiviert. Die digitale Nutzung nimmt zu.

Das Schweizer Modell verzichtet auf spektakuläre Reformen. Es verändert sich schrittweise. Landbasierte Häuser verlieren an relativer Bedeutung, während Online-Angebote innerhalb desselben Systems wachsen.

Der rechtliche Rahmen bleibt dabei unverändert klar. Konzession, Bewilligung, Kontrolle.

In dieser Konstellation entsteht ein Markt, der weder offen liberalisiert noch vollständig abgeschottet ist. Er ist reguliert, technisch durchgesetzt und fiskalisch eingebunden.

Die Zahlen von 2024 lassen keinen anderen Schluss zu.

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