Spielen wie die Pharaonen: Diese Spiele gab es im Alten Ägypten
Das Alte Ägypten fasziniert die Menschen bis heute. Meist denkt man zuerst an die Pyramiden, an mächtige Pharaonen und an eine Hochkultur, die ihrer Zeit in vielen Bereichen weit voraus war. Zum Alltag am Nil gehörte aber nicht nur harte Arbeit, sondern auch Unterhaltung.
Die Menschen im Alten Ägypten kannten verschiedene Spiele, mit denen sie sich die Zeit vertrieben. Einige davon galten nicht nur als Zeitvertreib, sondern hatten auch eine symbolische oder religiöse Bedeutung.
Glücksspiele mit Würfeln und Wurfstäbchen
Kaum eine Spielekategorie ist so alt wie das Glücksspiel und auch die Alten Ägypter haben Wege gefunden, ihr Glück im Spiel auf die Probe zu stellen. Dabei kamen vor allem einfache Mittel wie Wurfstäbchen, Knochen oder später auch Würfel zum Einsatz, mit denen zufällige Ergebnisse erzeugt wurden. Im Mittelpunkt stand nicht Geschick, sondern der reine Zufall.
Archäologische Funde zeigen, dass bereits in früher Zeit mit sechsseitigen Würfeln oder sogenannten Astragalen gespielt wurde. Dabei handelte es sich um kleine Knochenstücke, die ähnlich wie Würfel genutzt werden konnten und je nach Lage unterschiedliche Ergebnisse lieferten.
Welche Regeln sich die Ägypter rund um diese Gegenstände überlegt haben, bleibt bis heute aber weitgehend unentdeckt. Vermutlich waren solche Glücksspiele aber eher simpel, eine Wette mit wenigen möglichen Ausgängen. Interessant ist, dass das Ägypten in unserer modernen Zeit das mit Abstand beliebteste Thema bei digitalen Glücksspiel ist.
Online-Spiele wie Book of Ra sind das beste Beispiel dafür. Aber auch in Videospielen und anderen Spielen wird das Thema Ägypten noch immer gern aufgegriffen. Dabei tauchen immer wieder die gleichen typischen Ägypten-Symbole auf wie Pyramiden, Skarabäen, Ankh-Kreuze oder Götterfiguren wie Anubis, Bastet oder Osiris.
Senet: Noch heute in moderner Form gespielt
Senet ist das bekannteste Spiel des Alten Ägypten. Zugleich zählt es zu den ältesten Brettspielen der Welt. Der Name wird meist mit „Passieren“ oder „Vorübergehen“ übersetzt, was direkt zum Spielprinzip passt. Die Figuren wandern Schritt für Schritt über das Spielfeld und durchlaufen dabei eine festgelegte Strecke bis zum Ziel.
Laut Ägyptologen wurde Senet bereits um 3000 v. Chr. gespielt und blieb über viele Jahrhunderte hinweg fester Bestandteil des Alltags. Archäologische Funde aus verschiedenen Epochen belegen, wie verbreitet das Spiel war. Besonders bekannt sind aufwendig gestaltete Spielbretter, die in Gräber gelegt wurden.
Sogar im Grab des Tutanchamun wurden solche Spielbretter gefunden. Das klassische Spielfeld besteht aus 30 Feldern, die in drei Reihen zu je zehn Kästchen angeordnet waren. Zwei Spieler treten gegeneinander an und versuchen, ihre eigenen Figuren über das Brett zu bewegen und schließlich aus dem Spiel zu führen.
Wie viele Felder eine Figur sich bewegen darf, wurde damals durch Wurfstäbchen oder ähnliche Zufallselemente bestimmt. Dadurch blieb der Spielverlauf unvorhersehbar, auch wenn die Spieler ihre Züge gezielt planten. Bestimmte Felder können den Fortschritt beschleunigen oder verzögern, wodurch sich immer wieder neue Spielsituationen ergaben.
Im Laufe der Zeit erhielt Senet eine tiefere Bedeutung. In Darstellungen und Grabfunden erscheint das Spiel als Symbol für den Übergang ins Jenseits. Die Bewegung der Figuren über das Spielfeld steht für den Weg der Seele, die verschiedene Stationen durchlaufen muss.
Senet wird bis heute gespielt. Da die ursprünglichen Regeln nicht vollständig überliefert sind, basieren moderne Versionen auf wissenschaftlichen Rekonstruktionen. Das Grundprinzip ist jedoch erhalten geblieben und macht das Spiel auch nach mehreren Jahrtausenden verständlich und spielbar.
Mehen: Das Schlangenspiel der alten Ägypter
Ungefähr genauso alt wie Senet ist das Spiel Mehen, das ebenfalls schon vor etwa 3000 v. Chr. gespielt wurde. Der Name leitet sich von einer Schlangengottheit ab und genau diese Form prägt auch das gesamte Spiel. Das Spielbrett zeigt eine eingerollte Schlange, deren Körper in einzelne Abschnitte unterteilt ist.
Gespielt wird entlang dieses Schlangenkörpers von außen in Richtung Mitte. Die Spieler bewegen ihre Figuren Schritt für Schritt über die einzelnen Segmente. Funde zeigen, dass dabei kleine Figuren wie Löwen oder Kugeln verwendet wurden. Das Material des runden Spielbretts variierte zwischen günstigen Materialien bis hin zu aufwendig gearbeiteten Brettern aus Stein oder Fayence.
Das Spiel war vor allem im Alten Reich verbreitet und verschwand später wieder. Anders als Senet wurde es nicht über Jahrtausende hinweg weitergeführt. Gerade deshalb liefert Mehen heute einen direkten Einblick in eine frühe Phase der Spielkultur im Alten Ägypten.
Die Schlange hatte in der ägyptischen Welt eine klare Bedeutung. Sie stand für Schutz und Ordnung. Diese Symbolik spiegelt sich auch im Spiel wider und zeigt, dass selbst einfache Spiele eng mit den Vorstellungen und Bildern dieser Zeit verbunden waren.
Hunde und Schakale: Das Spiel der 58 Löcher
Ein weiteres bekanntes Spiel aus dem Alten Ägypten ist das sogenannte „Spiel der 58 Löcher“, das auch als „Hunde und Schakale“ bezeichnet wird. Der Name ergibt sich aus den typischen Spielfiguren, die oft als Hundekopf und Schakalkopf gestaltet waren. Funde solcher Spielsets stammen unter anderem aus Gräbern und zeigen, dass das Spiel einen festen Platz im Alltag hatte.
Das Spielbrett besteht aus insgesamt 58 kleinen Löchern, die in einer klaren Struktur angeordnet sind. Zwei Spieler treten gegeneinander an und bewegen jeweils ihre Figuren über das Brett. Ziel ist es, alle eigenen Figuren möglichst schnell bis zum Endpunkt zu bringen.
Die Bewegung erfolgt über Wurfstäbchen oder ähnliche Zufallselemente, wodurch der Spielverlauf nicht vollständig kontrollierbar ist. Im Grundprinzip erinnert das Spiel damit an moderne Laufspiele wie das Leiterspiel (Snakes and Ladders). Auch dort entscheidet der Zufall darüber, wie schnell eine Figur vorankommt.
Der Vergleich passt vor allem wegen des geradlinigen Wettlaufs zum Ziel, auch wenn die Mechanik im Alten Ägypten deutlich einfacher aufgebaut ist. Einige Felder fungieren als Abkürzungen oder ermöglichen es, schneller voranzukommen. Wer die besseren Würfe hat, verschafft sich klare Vorteile, während Pech den Fortschritt verlangsamt.
Im Gegensatz zu komplexeren Darstellungen wie bei Mehen ist das Spielfeld funktional aufgebaut und auf den reinen Spielablauf ausgerichtet. Genau das macht es leicht verständlich und zeigt, dass auch im Alten Ägypten Spiele existierten, die auf einfachen Regeln und direkter Konkurrenz basierten.
Das Spiel der 58 Löcher wird heute nicht mehr aktiv gespielt, ist aber durch zahlreiche Funde gut belegt. Es zeigt deutlich, dass sich viele Grundprinzipien moderner Spiele bereits vor Tausenden von Jahren entwickelt haben.