Boyhood
Der Film „Boyhood“ bewegt sich jenseits klassischer Erzählmuster und sucht seine Form in der Zeit selbst. Richard Linklater setzt auf eine fragmentierte Langzeitbeobachtung, in der Kindheit, Jugend und frühes Erwachsensein nicht inszeniert, sondern kontinuierlich begleitet wirken. Dabei entsteht kein nostalgisches Bild vom Erwachsenwerden, sondern ein stiller Blick auf die kleinen Bewegungen des Lebens, getragen von Momenten, die selten im Kino stehen bleiben dürfen.
- Amazon Prime Video (Video-on-Demand)
- Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke (Schauspieler)
- Richard Linklater(Regisseur) - Richard Linklater(Autor) - Richard Linklater(Produzent)
- Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 12 Jahren
Im Zentrum steht Mason, der mit seiner Schwester und Mutter immer wieder neu beginnt. Veränderungen schleichen sich leise in den Alltag, während Menschen kommen, gehen und Beziehungen sich verschieben. Schule, erste Liebe, Streit, Umzüge, Pausen – alles wirkt beiläufig und trotzdem bedeutend. Was bleibt, wenn ein Kind langsam zu sich selbst findet?
Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte
Der Film „Boyhood“ entstand unter der Regie von Richard Linklater, der auch das Drehbuch verfasste. Produziert wurde das Projekt von Sandra Adair, Vincent Palmo Jr., Cathleen Sutherland, Anne Walker-McBay und Linklater selbst. Die Dreharbeiten zogen sich über zwölf Jahre und begannen 2002. Für Kamera und Schnitt waren Lee Daniel, Shane F. Kelly sowie Sandra Adair verantwortlich. In den Hauptrollen spielen Ellar Coltrane als Mason Evans, Patricia Arquette als Olivia Evans, Ethan Hawke als Mason Evans Sr. und Lorelei Linklater als Samantha Evans. Weitere Rollen übernahmen Libby Villari, Marco Perella, Jamie Howard, Andrew Villarreal, Brad Hawkins und Jenni Tooley.
Gedreht wurde „Boyhood“ an verschiedenen Schauplätzen in den USA. Die Altersfreigabe liegt bei 6 Jahren, die Laufzeit beträgt 114 Minuten. Der Film feierte seine Premiere beim Sundance Film Festival und wurde später auf der Berlinale 2014 mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Auch international erhielt das Werk zahlreiche Preise, unter anderem einen Oscar, einen BAFTA Award und mehrere Auszeichnungen bei den Golden Globes. Mit einem Budget von rund 4 Millionen Dollar erzielte der Film weltweit Einnahmen von über 57 Millionen Dollar.
Zusammenfassung & Story vom Film „Boyhood“
Mason ist sechs Jahre alt, als er mit seiner Schwester Samantha und seiner Mutter Olivia in einer texanischen Kleinstadt lebt. Der Vater, Mason Sr., taucht nur gelegentlich auf, doch Olivia will mehr aus ihrem Leben machen. Sie zieht mit den Kindern nach Houston, um an der Universität zu studieren. Dort beginnt sie eine Beziehung mit ihrem Professor Bill Welbrock. Die Familien wachsen zusammen, Mason lebt nun mit Stiefgeschwistern unter einem Dach. Der Alltag bleibt turbulent, doch die Kinder gewöhnen sich an das neue Leben.
Die Beziehung zu Bill wird schnell komplizierter. Seine Kontrolle nimmt zu, sein Ton wird rauer, schließlich wird er gewalttätig. Olivia verlässt ihn und sucht mit den Kindern Zuflucht bei einer Freundin. Mason Sr. hingegen bleibt präsent, wenn auch nur punktuell. Er teilt Musik, Filme und politische Ideen mit seinen Kindern. Besonders zu Mason baut er langsam eine tiefere Beziehung auf. In San Marcos beginnen die Kinder, eigene Wege zu finden und sich von den familiären Altlasten zu lösen.
Zwischen Aufbruch und Abschied
Mason entdeckt neue Interessen, entwickelt sich weiter, probiert Alkohol und Drogen aus. Die Beziehung zu Sheena bringt ihm neue Erfahrungen, doch sie endet schmerzhaft. In dieser Zeit wird Olivia erneut enttäuscht, ihre Beziehung mit Jim zerbricht. Während Mason sich fotografisch entfaltet und bei einem Wettbewerb erfolgreich ist, beginnt er sich auf das College vorzubereiten. Die Abschlussfeier wird zum emotionalen Höhepunkt für die Familie, die auf sehr verschiedene Jahre zurückblickt.
Der Abschied fällt schwer. Olivia bricht in Tränen aus, als sie erkennt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Mason zieht nach Alpine und lernt in der neuen Umgebung andere junge Menschen kennen. Ein Gespräch bei einer Wanderung führt zur Erkenntnis, dass nicht der Mensch den Moment kontrolliert, sondern der Moment den Menschen. Diese Beobachtung schließt die Entwicklung eines Jungen ab, der von Kindheit bis Studienbeginn zwischen Aufbruch, Chaos und Nähe seinen Platz sucht.
Kritiken und Fazit zum Film „Boyhood“
„Boyhood“ ist ein Ausnahmeprojekt, das weniger durch Handlung als durch Haltung überzeugt. Richard Linklater beobachtet über zwölf Jahre hinweg das Aufwachsen einer Figur, ohne klassische Dramaturgie zu bemühen. Die Regie setzt konsequent auf Kontinuität im Cast und vertraut der Zeit als erzählerischem Werkzeug. Die Kamera arbeitet zurückhaltend, bevorzugt ruhige Bilder und betont Zwischenmomente. Viele Szenen wirken beiläufig, doch darin liegt ihre Wirkung. Der Film schafft es, Lebensrealität ohne Inszenierung abzubilden, ohne je dokumentarisch zu wirken. Ellar Coltrane als Mason wächst nicht nur vor der Kamera, sondern mit ihr – diese Nähe bleibt spürbar.
Besonders eindrucksvoll ist eine Szene, in der Mason seiner Freundin nach einem Streit schweigend gegenübersitzt. Die Kamera bleibt unbewegt, der Ton reduziert sich auf Umgebungsgeräusche. Hier verdichtet sich die Stärke des Films: Er beobachtet, statt zu erklären. Patricia Arquette überzeugt mit einer präzisen, unaufdringlichen Darstellung, während Ethan Hawke seinem Charakter eine leise Entwicklung verleiht. Der Erzählrhythmus bleibt gleichmäßig, mit bewussten Brüchen, wo nötig. Wer klassische Spannungsbögen erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Doch wer Geduld mitbringt, erlebt ein filmisches Konzept, das konsequent umgesetzt ist. „Boyhood“ richtet sich an Zuschauer, die das Alltägliche im Kino ernst nehmen und in genau dieser Ruhe Bedeutung erkennen.