Games Förderung: Warum Studios 80 Mio. Euro nicht nutzen
Gaming & Spiele Expertin bei Stadtgame
Während ihr auf den nächsten großen Deutschland-Hit wartet, liegt im Fördertopf des Bundes ein Vermögen ungenutzt herum. Mehr als 80 Millionen Euro aus der Games-Förderung des Bundes sind zur Jahresmitte 2026 noch nicht abgerufen, obwohl die Branche händeringend nach Geld sucht.
Wir erklären euch, wie die Games Förderung in Deutschland funktioniert, wer 2026 schon profitiert hat und warum ausgerechnet deutsche Gaming Studios, die das Geld am dringendsten brauchen könnten, oft leer ausgehen.
So funktioniert die Games Förderung des Bundes für euch
Zuständig für die Games Förderung des Bundes ist das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, kurz BMFTR. Der Hintergrund ist simpel, denn neue Entwicklungen sind längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Gaming-Branche und mehr als nur Unterhaltung. Rund 59 Prozent der Deutschen zwischen 6 und 69 Jahren spielen regelmäßig, das sind etwa 37,5 Millionen Menschen. Der Altersschnitt der Spielerschaft liegt inzwischen bei 39,5 Jahren, fast acht von zehn sind volljährig.
Damit Gaming Studios aus Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten können, übernimmt der Staat einen Teil der Entwicklungskosten als nicht rückzahlbaren Zuschuss, die Gaming Förderung des Bundes ist damit eines der wichtigsten Instrumente für den Standort.
Die Förderquote richtet sich nach der Unternehmensgröße. Große Firmen bekommen bis zu 25 Prozent der Kosten erstattet, kleine und mittlere Unternehmen bis zu 45 Prozent, junge Start-ups sogar bis zu 50 Prozent. Wichtig für alle, die selbst einen Antrag stellen wollen, die Mindestprojektgröße liegt bei 300.000 Euro, Anträge werden in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet.
Vor der eigentlichen Antragstellung müssen Studios zudem verpflichtend einen sogenannten Kulturtest bestehen, der einen kulturellen Bezug zu Deutschland oder Europa nachweist, außerdem ist eine Alterskennzeichnung durch die USK Pflicht. So wie es auch die neuen PEGI Regeln vorschreiben, sind gewaltverherrlichende Spiele und Glücksspiel von der Förderung grundsätzlich ausgeschlossen. Bei Rückfragen ist der DLR Projektträger die erste Anlaufstelle, erreichbar telefonisch oder per Mail.
80 Millionen Euro Games Förderung liegen ungenutzt in der Bundeskasse
Genau hier beginnt das eigentliche Problem. Für das laufende Haushaltsjahr hat der Bundestag rund 125 Millionen Euro für die Games-Förderung Deutschland eingeplant, doch zur Jahresmitte war mehr als die Hälfte davon noch nicht verplant.
Zum Vergleich: Seit dem offiziellen Start der Förderung 2020 hat der Bund über alle Jahre hinweg mittlerweile mehr als eine Viertelmilliarde Euro an deutsche Spiele-Entwickler zugesagt, exakt 266.984.986 Euro über 701 Projekte hinweg. 151 Projekte mit einem Volumen von 107 Millionen Euro befinden sich aktuell noch in der Entwicklung.
| Kennzahl | Wert 2026 |
| Geplantes Budget im Bundeshaushalt | Rund 125 Mio. € |
| Zur Jahresmitte noch nicht verplant | Mehr als 80 Mio. € |
| Bereits bewilligte Anträge (Stand Frühjahr) | Rund 30 Mio. € |
| Gesamtsumme seit Programmstart 2019/2020 | Über 266 Mio. € |
| Aktuell laufende Förderprojekte | 151 (107 Mio. €) |
Die Ursachen für den schleppenden Mittelabfluss sind vielschichtig. Ein Faktor ist die vergleichsweise hohe Einstiegshürde von 300.000 Euro Projektgröße, ein anderer schlicht die fehlende Transparenz. Das Ministerium veröffentlicht bislang keine öffentlich einsehbare Liste aller geförderten Projekte, Details lassen sich nur mühsam aus der amtlichen Subventionsdatenbank rekonstruieren.
Deutsche Games Förderung im Ländervergleich
Neben der Bundesförderung gibt es zusätzlich eigene Landesprogramme, und hier zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen den Bundesländern. Wer seit 2019 am meisten Geld vom Bund eingesammelt hat, verrät ein Blick auf die Statistik.
| Bundesland | Fördersumme seit 2019 | Anzahl Projekte |
| Bayern | 56,0 Mio. € | 133 |
| Berlin | 44,4 Mio. € | 150 |
| Nordrhein Westfalen | 35,9 Mio. € | 94 |
| Hamburg | 32,0 Mio. € | 69 |
| Hessen | 31,9 Mio. € | 47 |
Besonders auffällig: In Berlin entstehen mit durchschnittlich rund 296.000 Euro pro Projekt eher viele kleine Produktionen, während in Hessen mit rund 676.000 Euro im Schnitt deutlich größere Titel gefördert werden.
Ein Bundesland will sich dabei nicht auf der Bundesförderung ausruhen. Mit der eigenen Games Förderung für Bayern wird daher noch einmal nachgelegt. Erst im Juli 2026 hat der Freistaat über den FFF Bayern zusätzliche 871.000 Euro an 16 Studios und Solo-Entwicklerinnen und Entwickler ausgeschüttet, aufgeteilt in Konzept, Prototyp und Produktionsförderung. Digitalminister Fabian Mehring möchte den Freistaat damit zu Europas führendem Games-Standort machen.
Diese Gaming Studios in Deutschland profitieren schon von der Förderung 2026
Dass durchaus Geld fließt, zeigen die zahlreichen Bewilligungen allein aus diesem Jahr. Eine Auswahl der größten und interessantesten Zusagen ist diese:
- Rockfish Games aus Hamburg erhält für das Weltraumspiel Multispace die bislang höchste Einzelsumme des Jahres, 8 Millionen Euro.
- Torpor Games aus Berlin, bekannt durch Suzerain, bekommt 2,2 Millionen Euro für das neue Rollen und Strategiespiel The Conformist.
- Realmforge Studios aus München sichert sich 2,3 Millionen Euro für das Projekt mit dem Arbeitstitel Coven.
- Claymore Game Studios aus Darmstadt erhält 2,48 Millionen Euro für die Produktion New Tomorrow.
- Tobspr Games aus München, die Macher von Shapez, bekommen 2,3 Millionen Euro für ein neues, noch unangekündigtes Projekt.
- Limbic Entertainment aus Hessen kassiert innerhalb weniger Monate gleich mehrere Zuschüsse für die Codenamen Saturn und Mars, vermutlich Erweiterungen des Piratenspiels Corsair Cove.
Auch kleinere Studios wie Alchemical Works aus Mainz oder Gryphon Games aus Berlin tauchen 2026 mit sechsstelligen Zuschüssen in der Liste auf, das Spektrum der Games Förderung des Bundes reicht also von der Mobile App bis zum Millionenprojekt.
Insgesamt zeigt die Liste, wie unterschiedlich Gaming Studios in Deutschland aufgestellt sind, vom Zwei-Personen-Team bis zum Publisher mit hundert Beschäftigten.
Warum deutsche Studios die Games Förderung des Bundes nicht abrufen
Wenn das Geld also fließt, warum bleibt dann so viel übrig? Ein Blick auf die Struktur der Förderung liefert die Antwort. Der Ablauf von Konzept über Prototyp bis zur Produktion ist auf mehrjährige Projekte zugeschnitten, dazu kommt eine verpflichtende Entwurfsabnahme, bevor überhaupt der finale Antrag eingereicht werden darf. Für viele kleinere Teams und junge deutsche Gaming Studios ist das schlicht zu langsam und zu bürokratisch.
Wie groß die Kluft zwischen Fördersystem und moderner Spieleentwicklung sein kann, zeigt ausgerechnet einer der größten deutschen Indie-Erfolge des Sommers. Das Würzburger Zwei-Personen-Studio Mumpitz Games hat mit dem Tower-Defense-Spiel Sir We Have An Orc Problem innerhalb einer Woche über eine Million Euro umgesetzt, entwickelt in gerade einmal vier Monaten.
Geschäftsführer Laurin Agostini erklärte im Interview offen, dass die Gamesförderung mit ihrem Entwicklungsmodell schlicht nicht kompatibel sei. Selbst die kleinste bayerische Konzeptförderung läuft über vier Monate, in dieser Zeit will sein Team aber bereits ein komplettes Spiel fertig haben. Die Bürokratie sei dabei ein großes Hindernis, mehrjährige Projekte ohne echte Validierung durch Spielerinnen und Spieler kämen für sein Team nicht infrage.
Auch der Bundesrechnungshof hat das System bereits geprüft und dabei mögliche Mitnahme-Effekte bemängelt, also Fälle, in denen Unternehmen Fördergeld erhalten, das Projekt aber ohnehin realisiert hätten. Ein Vorwurf, der die generelle Trägheit des Systems zusätzlich befeuert.
Was sich bei der Förderung der Gaming Branche ändern muss
In Deutschland wird längst über Reformen bei der Förderung der Gaming Branche diskutiert. Ein häufiger Vorschlag, die Mindestprojektgröße wieder von 300.000 auf 200.000 Euro zu senken, damit auch kleinere Teams eine realistische Chance haben. Zusätzlich sorgte in diesem Jahr eine Aufstockung um 25 Millionen Euro speziell für Indies und kleine Studios für Diskussionen, weil unklar blieb, wie genau diese Mittel am Ende verteilt werden sollen.
Solange Studios wie Mumpitz Games lieber in vier Monaten ein Spiel selbst finanzieren, statt sich durch einen mehrjährigen Förderprozess zu kämpfen, wird ein Teil der Games Förderung vom Bund vermutlich auch 2026 auf der hohen Kante liegen bleiben. Für euch als Spielerinnen und Spieler heißt das vor allem eines: Viele der spannendsten deutschen Projekte entstehen gerade dort, wo gar kein Fördergeld fließt.