Warum die Ego-Perspektive bei Silent Hill: Townfall mehr ist als ein Kamerawechsel
Gaming & Spiele Expertin bei Stadtgame
Konami hat den Release von Silent Hill: Townfall für Donnerstag, den 24. September 2026, bestätigt, gleichzeitig für PS5, Steam und Epic Games Store. Was den Titel von allen bisherigen Hauptspielen der Reihe unterscheidet, ist aber nicht das Datum, sondern die Kamera. Townfall wird komplett aus der Ego-Perspektive gespielt, zum ersten Mal in einem vollwertigen Silent-Hill-Hauptspiel. Die Standard Edition kostet in den USA 49,99 Dollar, die Digital Deluxe Edition 59,99 Dollar, ein Euro-Preis steht noch aus.
Wann und wie ihr Silent Hill Townfall spielen könnt
Wer die Digital Deluxe Edition vorbestellt, bekommt bereits ab Dienstag, dem 22. September, 48 Stunden früheren Zugang. Genau dieses Zeitfenster fällt in den Moment, in dem sich das erste echte Spieler- und Streaming-Momentum aufbaut. Wer den Release am Donnerstag live mitverfolgen will, sollte den Dienstag entsprechend einplanen, bevor die ersten Videos und Reaktionen die Runde machen.

Eine physische Fassung gibt es ausschließlich für die PS5, in limitierter Stückzahl zusätzlich als Steelbook, exklusiv für Großbritannien und Europa über ausgewählte Händler. Auf dem PC läuft Townfall rein digital über Steam oder den Epic Games Store. Für Xbox oder Nintendo Switch 2 ist bislang keine Version angekündigt. Entwickelt wird der Titel vom rund 30-köpfigen Studio Screen Burn, veröffentlicht gemeinsam von Konami und Annapurna Interactive.
Warum die Ego-Perspektive überhaupt zur Serie passt
Screen Burn, vormals unter dem Namen No Code bekannt, hat bereits vor Townfall ausschließlich Spiele aus der Ego-Perspektive entwickelt, darunter die gut aufgenommenen Titel Stories Untold und Observation. Die Entscheidung war laut Studio von Anfang an gesetzt, nicht zuletzt aus Vertrautheit mit dieser Machart. Regie und Drehbuch verantwortet Jon McKellan, ebenfalls aus dem Glasgower Kernteam. Ein zusätzlicher, rein spielmechanischer Grund kommt aber hinzu. Das zentrale Werkzeug der Hauptfigur funktioniert ohne diese Kamera schlicht nicht richtig.
Protagonist Simon Ordell trägt durchgehend ein tragbares Röhrenfernsehgerät namens CRTV bei sich, mit dem er nahe Bedrohungen aufspürt und versteckte Hinweise zur Handlung sichtbar macht. Ein Gerät, dessen Bildschirm man tatsächlich ansehen muss, ergibt in der dritten Person deutlich weniger Sinn. Genau diese Kombination aus Werkzeug und Kamera unterscheidet Townfall von der über die Schulter gefilmten Optik des Silent-Hill-2-Remakes, das 2024 erschienen ist.
Diese Mechanik macht aus der Kamera mehr als eine Optik
Townfall läuft im breiten Kinoformat von 2,35 zu 1, was das Sichtfeld zusätzlich einschränkt und seitliche oder rückwärtige Bedrohungen schwerer erkennbar macht. Geräusche übernehmen dadurch einen Teil der Funktion, die in dritter Person sonst die Kamera erledigt. Simon muss sich buchstäblich umdrehen, um zu sehen, was hinter ihm lauert, ein Detail, das in klassischen Silent-Hill-Teilen so nicht existierte.
Nahkampfwaffen wie Bretter oder Rohre gehen zudem nach wenigen Treffern kaputt, was Kämpfe bewusst unattraktiv macht. Hinzu kommen Ausweichmanöver und echte Schleichabschnitte, in denen sich Simon vor Gegnern verstecken muss statt sie zu bekämpfen, wobei ein Versteck laut Entwicklerangaben keine hundertprozentige Sicherheit bietet, wenn ein Gegner Simon dabei beobachtet. Flucht wird dadurch spürbar zur bevorzugten Option, nicht bloß zur Notlösung bei fehlender Munition.
Technisch zeigt sich allerdings schon vor dem Release eine Schwachstelle. Laut ersten Performance-Tests hält selbst die PS5 Pro im Performance-Modus keine stabilen 60 Bilder pro Sekunde. In fordernden Szenen fällt die Bildrate auf etwa 42 Bilder pro Sekunde. Ausgerechnet der für die Serie wichtige Nebeleffekt wird im Performance-Modus zusätzlich reduziert, um überhaupt Bildrate herauszuholen, ein unglücklicher Kompromiss für ein Silent-Hill-Spiel.

Das sagen die ersten Testberichte bereits
Die Rezensionssperre fiel bereits am 21. September, drei Tage vor dem eigentlichen Release, und die Antwort auf die Perspektivfrage liegt inzwischen zumindest teilweise vor. Auf Metacritic steht Townfall aktuell bei 81 Punkten für die PS5-Fassung, basierend auf rund 50 Testberichten. OpenCritic notiert einen Top-Critic-Durchschnitt von etwa 90 Prozent. Beide Werte bleiben damit hinter Silent Hill f zurück, das 86 Punkte erreichte, und hinter dem Silent-Hill-2-Remake mit 87 Punkten.
Einig sind sich die meisten Testberichte bei Atmosphäre, Sounddesign und dem anhaltenden psychologischen Druck, den die Ego-Perspektive tatsächlich verstärkt. Kritisiert werden dagegen fast durchgehend dieselben Punkte: unfair wirkende Gegner-KI, repetitive Schleichabschnitte vor allem in der zweiten Spielhälfte, sowie ein von mehreren Redaktionen als zu wenig großzügig empfundenes Checkpoint-System. Genau diese Kritik deckt sich mit VGC, die den erzwungenen Stealth-Anteil bereits vorab als frustrierend beschrieben hatte.
Frühere Teile der Reihe hielten stets Distanz zum Geschehen. Selbst Silent Hill f aus dem Vorjahr zeigte die Hauptfigur weiterhin sichtbar auf dem Bildschirm. Townfall nimmt diese Distanz erstmals komplett heraus, mit einem laut erster Kritikerwertung überzeugenden, aber nicht makellosen Ergebnis.
Was das für die gesamte Serie bedeutet
Townfall ist bereits der dritte Silent-Hill-Titel in ebenso vielen Jahren, nach dem Remake von Silent Hill 2 im Jahr 2024 und dem in Japan angesiedelten Silent Hill f im Jahr 2025. Letzteres verkaufte sich bis April 2026 über zwei Millionen Mal und bewies, dass die Reihe auch abseits ihrer klassischen US-Kulisse funktioniert. St. Amelia, das schottische Küstenstädtchen aus Townfall, setzt diesen Weg konsequent fort. Es ist bereits der dritte Schauplatz der Serie außerhalb der Vereinigten Staaten.
Serienproduzent Motoi Okamoto beschreibt diesen Kurswechsel selbst so, dass Silent Hill inzwischen weniger ein fester Ort auf der Landkarte sei als vielmehr ein Zustand, der sich überall einnisten kann. Mehr zur Entstehungsgeschichte der Reihe findet ihr in unserem Silent Hill 3 Rückblick.
Fazit
Silent Hill: Townfall wechselt die Perspektive nicht aus reiner Optik, sondern weil das zentrale CRTV-Werkzeug, das eingeschränkte Sichtfeld und die bewusst zerbrechlichen Waffen ohne Ego-Ansicht kaum funktionieren würden. Die ersten Testberichte geben darauf bereits eine klare, wenn auch nicht makellose Antwort, mit Bestnoten für Atmosphäre und wiederkehrender Kritik an Stealth und Gegner-KI. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann das über die Digital Deluxe Edition bereits ab dem 22. September tun, zwei Tage vor dem regulären Release am 24. September.