Back to Black
Kaum eine Musikerin der 2000er-Jahre wurde so leidenschaftlich verehrt und zugleich so schonungslos öffentlich seziert wie Amy Winehouse. „Back to Black“ nimmt sich dieser Ikone an – nicht als glattes Biopic, sondern als Versuch, künstlerisches Schaffen und persönliche Brüche nebeneinander zu zeigen. Dabei steht weniger der große Ruhm im Mittelpunkt als das fragile Gleichgewicht zwischen Selbstbehauptung und Selbstzerstörung. Der Film geht zurück zu den Anfängen, verfolgt Begegnungen, Brüche, Rückzüge – und den schmalen Grat zwischen Nähe und Ausbeutung.
- Amazon Prime Video (Video-on-Demand)
- Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 12 Jahren
Amy wächst in einem musikalischen Umfeld auf, erlebt erste Erfolge, kämpft mit Erwartungen und sucht Halt in einer zunehmend instabilen Beziehung. Ihre Musik entsteht in Phasen tiefer Unsicherheit und Schmerz, doch sie schafft es, daraus ein Werk von Weltrang zu formen. Später gerät sie in Abhängigkeit, zieht sich zurück und versucht immer wieder, Kontrolle zurückzugewinnen. Was bleibt von einer Künstlerin, wenn ihr Leben zur Projektionsfläche wird?
Besetzung / Darsteller, Regie und Drehorte
„Back to Black“ erschien 2024 als britisch-amerikanische Filmbiografie unter der Regie von Sam Taylor-Johnson. Das Drehbuch stammt von Matt Greenhalgh. Alison Owen und Debra Hayward produzierten den Film. Die Musik lieferten Nick Cave und Warren Ellis. Polly Morgan war für die Kamera verantwortlich, den Schnitt übernahmen Laurence Johnson und Martin Walsh. Marisa Abela verkörpert Amy Winehouse und singt alle Titel selbst – darunter den gleichnamigen Welthit. Jack O’Connell spielt Blake Fielder-Civil, Eddie Marsan ihren Vater Mitch. Lesley Manville übernimmt die Rolle ihrer Großmutter Cynthia, Juliet Cowan stellt ihre Mutter Janis dar. Weitere Mitwirkende sind Bronson Webb als Joey, Ansu Kabia als Raye Cosbert, Sam Buchanan als Nick Shymansky und Harley Bird als Juliette.
Die Dreharbeiten fanden zwischen Januar und April 2023 in London statt. Zu den Schauplätzen zählen Camden Town, Primrose Hill, das London Zoo sowie die Metropolis Studios. Der Film startete in Großbritannien am 12. April 2024, in Deutschland bereits am 11. April. Mit einer Laufzeit von 125 Minuten erhielt er eine FSK 12. Bei den British Independent Film Awards 2024 erhielt Jack O’Connell eine Nominierung als bester Nebendarsteller. Auch das Make-up sowie die Musikbetreuung wurden nominiert. Die weltweiten Einnahmen lagen bei 50,8 Millionen US-Dollar.
Zusammenfassung & Story vom Film „Back to Black“
Amy wächst in einem musikalischen Elternhaus auf, geprägt von der engen Bindung zu ihrem Vater Mitch und ihrer Großmutter Cynthia. Schon früh zeigt sich ihr Gespür für Soul und Jazz. Ein Freund reicht ein Demotape bei einem Musikmanager ein – der erkennt ihr Talent sofort. Bald steht Amy bei Island Records unter Vertrag. Ihr Debütalbum „Frank“ erscheint 2003 und bringt erste Erfolge. Als das Label Änderungen für den US-Markt fordert, lehnt sie ab. Amy braucht Abstand. In einem Pub in Camden trifft sie auf Blake Fielder-Civil. Die beiden verlieben sich, doch persönliche Probleme belasten ihre Beziehung schnell.
Blakes Kokainkonsum und Amys Alkoholsucht führen zu Spannungen. Als Blake sie verlässt, stürzt sie ab. Gleichzeitig erfährt sie, dass ihre Großmutter schwer krank ist. Diese doppelte Krise erschüttert sie tief. Doch Amy verarbeitet den Schmerz in Musik. Das Album „Back to Black“ entsteht – persönlich, roh und voller Energie. Es wird ein Welterfolg. Nach der Veröffentlichung finden Amy und Blake wieder zusammen und heiraten heimlich in Miami. Doch kurz darauf wird er verhaftet. Während er im Gefängnis sitzt, rutscht Amy tiefer in die Abhängigkeit.
Aufstieg mit Widerstand
Blake sucht später einen Neuanfang und lässt sich scheiden. Amy bleibt zurück, psychisch angeschlagen und körperlich am Limit. Schließlich lässt sie sich auf eine Entziehungskur ein. Trotz aller Rückschläge gewinnt sie fünf Grammys – ein Meilenstein in ihrer Karriere. Sie kehrt nach Camden zurück, wirkt stabiler und kämpft weiter gegen den Alkohol. Als sie erfährt, dass Blake Vater geworden ist, trifft sie das erneut schwer. Allein in ihrem Haus singt sie „Tears Dry on Their Own“. Die Traurigkeit lässt sich nicht mehr verbergen. Sie zieht sich zurück – auch emotional.
Die Geschichte endet tragisch. Trotz zeitweiser Abstinenz erliegt Amy dem Alkohol. Am 23. Juli 2011 stirbt sie mit nur 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung. Ihr Grab liegt neben dem von Cynthia. Der Film zeigt nicht nur ihre Karriere, sondern auch die Zerbrechlichkeit hinter dem Ruhm. Amy Winehouse bleibt als außergewöhnliche Künstlerin in Erinnerung – und als Mensch, der der Öffentlichkeit zu viel preisgab.
Kritiken und Fazit zum Film „Back to Black“
„Back to Black“ arbeitet sich spürbar bemüht an Amy Winehouse‘ Lebensgefühl ab, trifft jedoch nur punktuell den richtigen Ton. Sam Taylor-Johnson setzt auf eine dichte Bildsprache und rhythmisch getaktete Szenenfolgen, doch die emotionale Tiefe bleibt oft vage. Polly Morgans Kamera findet visuell stimmige Kompositionen, besonders in den nächtlichen Straßenzügen Camdens. In einer zentralen Szene im Jazzclub gelingt kurzzeitig eine konzentrierte Intimität – getragen von Licht, Körperhaltung und Musik. Dennoch wirken viele Sequenzen eher arrangiert als gelebt. Die Montage springt hastig durch die Stationen, ohne eine konsequente Entwicklung zu zeichnen.
Marisa Abela trifft gesanglich beachtlich den Ton der Vorlage, scheitert aber in Momenten der inneren Leere an der nötigen Gravitation. Jack O’Connell spielt glaubwürdig, bleibt aber durch die Drehbuchführung auf wenige Affekte reduziert. Der Film tastet sich an Widersprüche heran, doch er schneidet sie oft nur an. Wirklich packend ist ein später Moment in Amys Schlafzimmer, als Musik, Schmerz und Kontrollverlust für Sekunden verschmelzen. Doch solche Szenen bleiben selten. „Back to Black“ funktioniert als visuell gefasstes Porträt – nicht jedoch als psychologisch tragfähiger Film.