Die besten Gaming-Aktien für das zweite Halbjahr 2026: Wo sich ein Einstieg jetzt lohnt
Gaming & Spiele Expertin bei Stadtgame
Drei Buchstaben bestimmen gerade jedes Gespräch über Gaming-Investments: GTA. Dazu kommt eine Speicherkrise, die NVIDIA-Aktionäre reicher macht, während sie Gamer um den Schlaf bringt. Und Nintendo, das innerhalb weniger Wochen vom Sorgenkind zum Comeback-Kandidaten wurde. Die erste Jahreshälfte 2026 hat in der Gaming-Branche einiges durcheinandergewirbelt, und für das zweite Halbjahr zeichnet sich ein Muster ab: Konzentration auf wenige Schwergewichte, während kleinere Entwickler ums Überleben kämpfen.
Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Aktienkurse schwanken, Prognosen können sich ändern, und niemand kann die Zukunft mit Sicherheit vorhersagen. Die folgenden Zahlen dienen der Einordnung, eigene Recherche ersetzen sie nicht.
NVIDIA profitiert von der eigenen Knappheit
Wer 2026 eine RTX-50-Grafikkarte kaufen wollte, hat es vermutlich längst aufgegeben oder deutlich mehr bezahlt als geplant. Der Grund liegt nicht bei NVIDIA selbst, sondern beim Speicher dahinter. High Bandwidth Memory (HBM), der für KI-Rechenzentren benötigt wird, läuft auf denselben Fertigungslinien wie der GDDR7-Speicher für Gaming-Grafikkarten. Samsung, SK Hynix und Micron müssen sich entscheiden, wofür sie ihre Kapazität nutzen, und ein einzelner KI-Chip bringt rund 40.000 US-Dollar ein. Eine Gaming-GPU schafft das nicht annähernd.
Die Folge: NVIDIA hat die Produktion der RTX-50-Serie laut mehreren Branchenberichten um 30 bis 40 Prozent gedrosselt. Karten wie die RTX 5090 kosteten Anfang 2026 teilweise mehr als das Doppelte ihres ursprünglichen Preises, und der für dieses Jahr erwartete Super-Refresh der Serie liegt auf Eis. Wer sich aktuell trotzdem einen Gaming-PC zusammenstellen möchte, merkt das direkt im Warenkorb, nicht nur bei Grafikkarten, sondern auch bei Arbeitsspeicher und SSDs.
Für die NVIDIA-Aktie ist das paradoxerweise eher Rückenwind als Belastung. Das Gaming-Segment macht ohnehin nur noch einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 verdiente NVIDIA über 75 Milliarden US-Dollar allein im Rechenzentrumsgeschäft, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Aktie selbst pendelte zuletzt zwischen 190 und 200 US-Dollar, nach einem Rekordhoch von rund 236 US-Dollar im Mai. Von den knapp 60 Analysten, die das Papier beobachten, vergeben fast alle ein Kaufrating, mit Kurszielen im Schnitt zwischen 275 und 300 US-Dollar.
Die Knappheit selbst dürfte laut Branchenanalysten frühestens 2027 oder 2028 nachlassen. Bis dahin gilt: Wer als Spieler eine Karte sucht, zahlt drauf. Wer als Aktionär dabei ist, profitiert genau von diesem Engpass.
Take-Two wettet alles auf den 19. November
Der 19. November 2026 ist inzwischen so etwas wie ein inoffizieller Feiertag für die gesamte Branche. An diesem Tag erscheint Grand Theft Auto VI, und kaum ein Datum wird genauer beobachtet als dieses. Take-Two Interactive hat im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 mit 1,58 Milliarden US-Dollar an Net Bookings die Erwartungen übertroffen, der Jahresumsatz stieg um 18 Prozent auf 6,66 Milliarden US-Dollar. Für das kommende Geschäftsjahr rechnet das Management mit einem Wachstum von rund 20 Prozent.
Bank of America hat ihr Kursziel für Take-Two am 23. Juni 2026 von 320 auf 368 US-Dollar angehoben, das höchste Kursziel der Wall Street für das Papier. Begründet wurde das mit der Erwartung, GTA Online könnte beim Nachfolgetitel fast doppelt so viel pro Spieler einnehmen wie bisher. Die Aktie selbst lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 244 US-Dollar.
Trotzdem zeigt sich, wie nervös der Markt rund um den Launch reagiert. Als die Vorbestellungen am 25. Juni 2026 öffneten und der Preis bekannt wurde, 79,99 US-Dollar für die Standard-Edition, 99,99 US-Dollar für die Ultimate-Edition, fiel die Aktie um knapp drei Prozent. Ein klassisches Sell-the-News-Muster: Die Vorbestellungen selbst brachen mit über 39 Millionen verkauften Einheiten und mehr als 3 Milliarden US-Dollar Umsatz jeden Rekord, aber Anleger hatten teilweise einen höheren Preis erwartet und nahmen Gewinne mit. Hinzu kommt, dass GTA VI zum Start rein als Singleplayer-Spiel erscheint. Ein Online-Modus ist nicht bestätigt, was einen wesentlichen Teil des langfristigen Umsatzpotenzials erst einmal in die Zukunft verschiebt.
Selbst Take-Two-CEO Strauss Zelnick beschreibt den Launch als „terrifying“. Die Erwartungen sind inzwischen so hoch, dass selbst ein außergewöhnlicher Erfolg nicht automatisch zu weiter steigenden Kursen führen muss.
Nintendo zwischen Absturz und Erholung
Bei Nintendo lohnt sich der genaue Blick, weil die einfache Schlagzeile in die Irre führt. Ja, die Switch 2 verkauft sich blendend: 19,86 Millionen Konsolen und 48,71 Millionen Softwareeinheiten bis zum 31. März 2026, mehr als Nintendo selbst erwartet hatte und schneller als beim Vorgängermodell. Mario Kart World allein kommt auf 14,7 Millionen verkaufte Exemplare, und der Gaming-Boom rund um die Switch 2 hat den deutschen Markt spürbar angeheizt.
Gleichzeitig belasten die gestiegenen Speicherkosten, ausgelöst durch denselben KI-Boom, der auch NVIDIA betrifft, die Produktionsmargen. Nintendo reagierte im Mai mit einer globalen Preiserhöhung: In den USA stieg der Preis der Switch 2 um 50 US-Dollar auf 499,99 US-Dollar. Gleichzeitig senkte das Unternehmen seine Verkaufsprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 16,5 Millionen Einheiten, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Aktie reagierte mit einem Einbruch von über 8 Prozent an einem Tag und steht seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent im Minus, die schwächste Jahresperformance seit rund zehn Jahren.
Seither hat sich das Bild aufgehellt, allerdings aus einem Grund, der wenig mit Nintendo selbst zu tun hat. Während KI-Aktien im Juni unter Druck gerieten, rotierten institutionelle Anleger in zuvor abgestrafte Werte wie Nintendo. Innerhalb weniger Wochen erholte sich der Kurs deutlich vom Tief. Für das zweite Halbjahr bedeutet das: Nintendo profitiert nicht nur von starker Software, sondern zunehmend auch davon, als Gegenpol zum überhitzten KI-Sektor wahrgenommen zu werden, gerade jetzt, wo GTA VI als direkter Konkurrent um die Konsumentenausgaben in den Ring steigt.
Wer die Konsolidierung gewinnt und wer dabei verliert
Stellt man NVIDIA, Take-Two und Nintendo nebeneinander, erkennt man ein gemeinsames Element: Alle drei kontrollieren entweder Hardware, eine Plattform oder ein Ökosystem mit wiederkehrenden Einnahmen. NVIDIA verdient an jeder verkauften GPU und jedem Cloud-Rechenzentrum. Nintendo verdient an Hardware und einer wachsenden Software-Bibliothek. Take-Two baut mit GTA Online ein Geschäftsmodell, das weit über den einmaligen Spielekauf hinausgeht.
Reine Spieleentwickler ohne diesen Hebel haben es 2026 deutlich schwerer. Ubisoft verlor im Januar an einem einzigen Tag 34 Prozent seines Aktienwerts, nachdem das Unternehmen sechs Spiele absagte, mehrere Studios schloss und einen operativen Verlust von rund einer Milliarde Euro ankündigte. Electronic Arts steckt mitten in einer umstrittenen Übernahme durch den saudi-arabischen Staatsfonds PIF im Wert von 55 Milliarden US-Dollar und kündigte parallel weitere Entlassungswellen an. Auch bei Sony und Microsoft häufen sich Stellenabbau und Projektabsagen.
Die Ursache dafür liegt tiefer als nur in einzelnen Fehlentscheidungen. Ein modernes AAA-Spiel kostet heute laut Branchenbeobachtern oft über 300 Millionen US-Dollar in Entwicklung und Marketing, vor 15 Jahren lagen die Budgets noch bei 50 bis 200 Millionen. Genau diese Kostenexplosion ist der Grund, warum Videospiel-Remakes für viele Publisher zur sicheren Investition geworden sind statt neuer, riskanter Ideen. Ein Spiel muss heute teils sechs Millionen Einheiten verkaufen, nur um die Kosten zu decken. Wer unter diesen Bedingungen scheitert, fällt schnell und tief, wie Ubisoft gezeigt hat.
Fazit
Das zweite Halbjahr 2026 gehört voraussichtlich denen, die Plattformen oder Hardware kontrollieren, nicht denen, die einzelne Spiele verkaufen. NVIDIA profitiert von einer Knappheit, die paradoxerweise die eigene Preismacht stärkt. Take-Two steht vor dem womöglich größten Produktlaunch der Branchengeschichte und entsprechend hoher Kursvolatilität bis November.
Nintendo zeigt, dass starke Software-Ökosysteme auch Preiserhöhungen und schwächere Prognosen überstehen können. Wer sich für Gaming-Aktien interessiert, sollte diesen Unterschied zwischen Plattforminhabern und reinen Entwicklern im Blick behalten, ohne zu vergessen, dass auch das stärkste Branchen-Narrativ keine Garantie für steigende Kurse ist.